Uber für Rechtsdienstleistungen?

Uber hat die Transport- bzw. Taxiindustrie mächtig durcheinandergewirbelt. Auch wenn der Erfolg in Deutschland aufgrund der derzeitigen Regulierung noch überschaubar ist, zeigt die Bewertung von mittlerweile $ 50 Mrd., dass zumindest viele Investoren dem Unternehmen mit Sitz in San Francisco zutrauen, eine ganze Industrie zu „disrupten“. Uber ist wohl das prominenteste Beispiel einer „on deman economy“, bei der Produkte und Dienstleistungen nur wenige Klicks entfernt sind. Was macht Uber so erfolgreich? Uber hat es geschafft, den Prozess einer Taxibestellung radikal zu vereinfachen und zu beschleunigen. Jeder der Uber schon einmal ausprobiert hat, weiß, wie einfach es ist, ein Taxi zu bestellen. Es bedarf nur eines Klicks in der Uber-App. Der wirkliche Mehrwert von Uber ist aber nicht der vereinfachte Orderprozess, sondern die dahinterstehende Technologie, die es ermöglicht Taxis und Fahrgäste in real time miteinander zu matchen. In Verbindung mit dem sehr einfach Onboarding- und Bewertungsprozess für Uber-Fahrer hat es Uber geschafft, einen Markt für Transportdienstleistungen mit einer hohen Liquidität zu schaffen, da (zumindest in den USA) jeder Bürger mit einem Führerschein seine Transportkapazität zur Verfügung stellen kann. Zusammenfassend lassen sich vier Gründe für Ubers Erfolg finden:

  • Transportdienstleistungen sind eine Massenmarkt, da viele Bürger häufig nutzen, da sie von einem Punkt A nach B kommen müssen.
  • Es gibt eine automatisierten Order- und Fulfilmentprozess, der eine effektive Zuordnung von Ressourcen erlaubt.
  • Es gibt effektive Bewertungs- und Reviewprozesse
  • Uber hat es geschafft, schlafende bzw. verborgene Liquiditätsreserven zu heben bzw. den Markt für Transportdienstleistungen für jedermann zu öffnen.

Mittlerweile gibt es ein „UberX“ für fast alle erdenklichen Produkte und Dienstleistungen. Eigentlich, so müsste man meinen, kann es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis es ein „UberLegal“ gibt bzw. bis es zu einer „Uberization“ von Rechtsdienstleistungen kommt. Einige Unternehmen tummeln sich bereits (zum Teil mäßig erfolgreich) in diesem Feld. Zu nennen wären z.B. für die USA und Deutschland die Startups in alphabetischer Reihenfolge, die Marktplätze für Anwälte anbieten. Den Kunden soll hierdurch der Zugang zu Anwälten erleichtert, verbilligt und beschleunigt werden:

Lässt sich das Geschäftsmodell von Uber auf die Rechtsbranche übertragen? Wenn man sich anschaut, was „Uberization“ bedeutet und warum Uber so erfolgreich ist (siehe oben), fällt auf, dass sich die Rechtsbranche von der Transportbranche erheblich unterscheidet:

  • Rechtsrat ist keine Dienstleistung, die häufig benötigt wird. Viele Menschen kommen (zum Glück) nur selten mit Rechtsproblemen und Anwälten in Kontakt. In jedem Fall ist die Suche nach Rechtsrat keine regelmäßige Aufgabe, wie z.B. das Suchen eines Taxis oder einer Reinigungskraft für den Haushalt.
  • Die Dienstleistung „Recht“ wird von den meisten Kunden nicht verstanden. Recht ist viel komplexer als bspw. das Bestellen eines Taxis. Den Kunden fehlt regelmäßig das Wissen, wonach sie suchen sollen oder ob sie überhaupt suchen sollen (d.h. ein rechtliches Problem haben).
  • Eine weitere Herausforderung ist, dass es bei Rechtsdienstleistungen viel schwieriger ist, bestimmte Aufgaben zu automatisieren. Die Automatisierung von Recht und rechtlichen Entscheidungsprozessen steckt noch in den Kinderschuhen.
  • Für Kunden ist es auch viel schwieriger, die Leistung eines Anwalts zu bewerten, da die Bewertungskriterien deutlich komplexer sind als im Fall eines Taxifahrers oder einer Putzfrau.
  • Aus den genannten Gründen ist es schwierig, eine gewisse „Liquidität“ im Rechtsmarkt zu erzeugen, die eine Revolution in der Rechtsberatung befeuern könnte.

Dies alles zeigt, dass das Modell von Uber nicht ohne Weiteres auf den Rechtsmarkt und die Rechtsberatung zu übertragen ist. Unmöglich ist es allerdings nicht. Es braucht wohl aber noch etwas Zeit, bis insbesondere durch eine Automatisierung eine gewisse Frequenz und Liquidität im Markt erzeugt werden kann.