Hamburg Legal Tech Meetup / #2

By  Nico Kuhlmann

Am 20. Dezember 2016 fand das zweite Legal Tech Meetup in Hamburg, unterstützt durch die Kanzlei Hogan Lovells, in deren Räumlichkeiten am Alstertor mit zirka 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt.

Nach der Begrüßung durch Yvonne Draheim, Partnerin bei Hogan Lovells, hat wie gewohnt Nico Kuhlmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Hogan Lovells, durch den Abend geführt. Zuerst gab er einen Rückblick über Legal Tech in Deutschland im Jahr 2016. Er wies darauf hin, dass zu Beginn des Jahres der Begriff Legal Tech für die meisten deutschen Juristen noch völliges Neuland war, aber dass sich dieses insbesondere durch die Gründung der European Legal Tech Association (ELTA), den Anwaltszukunftskongress, die 6. Herbsttagung des Bucerius Center on the Legal Profession und die vielen Legal Tech Meetups in den verschiedenen Städten geändert hat. Zusätzlich fasste er kurz einige der diversen Berichte, Artikel und Nachrichten aus der Fach- sowie aus der allgemeinen Presse zusammen.

Anschließend referierte Dr. Tilo Wend über die Funktionsweise des Dokumenten- und Vertragsgenerators von KnowledgeTools. Bei Schriftsätzen und Verträgen werde seiner Ansicht nach häufig das Rad immer wieder neu erfunden und herkömmliches Wissensmanagement erfasse regelmäßig nur ganze Dokumente, aber keine einzelnen Bausteine. Gerade dieses in den einzelnen Bausteinen liegende Wissen könne aber in einem Vertragsgenerator zusammengefasst werden. Die Zusammenstellung der Bausteine werde dann bei Bedarf im Vertragsgenerator durch eine visuelle Führung unterstützt. Zusätzlich zeige der Generator, welche Möglichkeiten verfügbar und wie diese rechtlich kombinierbar seien. Der Aufwand für die Generierung und das Management komplexer Dokumente werde dadurch drastisch reduziert.

Danach sprach Dr. Micha-Manuel Bues über Leverton und die Vorteile, die die schnelle Gewinnung von Informationen aus unstrukturierten Daten für die verschiedenen Rechtsgebiete mit sich bringen. Gegenwärtig bestehe seiner Meinung nach bei vielen Unternehmen und Kanzleien eine Lücke zwischen den Dokumentenmanagementsystemen auf der einen und den ERP-Systemen, die wiederkehrende Prozesse abbilden und dadurch automatisieren, auf der anderen Seite. Eine intelligente Software zur Datenextrahierung könne dabei helfen, diese Lücke zu schließen. Diesbezüglich erklärte Dr. Bues auch den Unterschied zwischen regelbasierter künstlicher Intelligenz und solcher, die auf maschinellem Lernen aufbaut. Nach einem Ausflug in die Funktionsweise neuronaler Netzwerke wurde dann der Arbeitsablauf auf der Plattform von Leverton im Detail vorgestellt.

Zur Abrundung gab Nico Kuhlmann einen Ausblick auf das Jahr 2017. Diesbezüglich wies er auf die Berlin Legal Tech 2017, den 68. Deutschen Anwaltstag in Essen zum Thema „Innovationen und Legal Tech“ sowie die 7. Herbsttagung des Bucerius Center on the Legal Profession hin. Inhaltlich prognostizierte er, dass die Themen Online-Marktplätze, Blockchain, Legal Analytics und Chatbot Lawyers uns nächstes Jahr intensiver beschäftigen werden. Auch die Aufbruchsstimmung in Bezug auf künstliche Intelligenz werde natürlich weitergehen. Schließlich vermutete er, dass immer mehr große und etablierte Unternehmen im Rechtsmarkt sich in irgendeiner Form an einem Legal Tech Accelerator beteiligen werden, um dadurch einen Fuß in der Tür zum Fortschritt zu behalten.